Geschäftsbericht 2014

Haniel-Konzern: Finanzlage

Mit dem Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio hat der Haniel-Konzern seine Nettofinanzschulden weiter gesenkt. Das Unternehmen verfügt nun über eine breite Liquiditätsbasis. Damit ist genügend Spielraum vorhanden, um jederzeit wieder in neue profitable Geschäftsbereiche zu investieren.

FINANCIAL GOVERNANCE ZWISCHEN HOLDING UND GESCHÄFTSBEREICHEN

Die obersten Ziele des Finanzmanagements liegen in der jederzeitigen Deckung des Finanzierungs- und Liquiditätsbedarfs unter Wahrung der unternehmerischen Selbstständigkeit sowie der Begrenzung finanzieller Risiken. Die Holding gibt den Geschäftsbereichen Grundsätze vor, um organisatorische Mindestvoraussetzungen zu etablieren und die Ausgestaltung wesentlicher Prozesse des Finanzmanagements – auch des finanzwirtschaftlichen Risikomanagements – zu regeln. Diese Vorgaben sind in Richtlinien für die Treasury-Abteilungen der Holding und der vollkonsolidierten Geschäftsbereiche festgehalten. Auf dieser Basis identifizieren, analysieren und bewerten die Geschäftsbereiche, die das operative Geschäft verantworten, finanzielle Risiken – insbesondere Liquiditäts-, Ausfall-, Zinsänderungs- und Währungsrisiken – und treffen Maßnahmen, diese zu vermeiden oder zu begrenzen. Neben diesen Grundsätzen gibt es zusätzliche Vorgaben der Holding in den Bereichen Finanzierungs- und Finanzrisikostrategie, Freigabe von Finanzkontrahenten und -instrumenten sowie Limit- und Meldewesen.

Innerhalb dieser Vorgaben steuern die Geschäftsbereiche ihre jeweilige Finanzierung basierend auf einer eigenen Finanz- und Liquiditätsplanung. Auch das Cash Management liegt in der Verantwortung der Geschäftsbereiche. Zur Ausnutzung von Größenvorteilen unterstützen die Holding und ihre Finanzierungsgesellschaften die Geschäftsbereiche und bieten zusammen mit Bankpartnern in verschiedenen Ländern Cash Pools an. Durch die Kombination von zentralen Vorgaben mit der Eigenständigkeit der Geschäftsbereiche hinsichtlich ihrer Finanzierung wird sowohl den unterschiedlichen Beteiligungshöhen der Holding an den Geschäftsbereichen als auch den individuellen Anforderungen der Geschäftsbereiche an das Finanzmanagement Rechnung getragen.

VERTRAUENSVOLLE ZUSAMMENARBEIT MIT FINANZIERUNGSPARTNERN

Als Familienunternehmen mit stabiler, aber begrenzter Eigenkapitalfinanzierung ist für Haniel der Zugang zu Fremdkapitalquellen von hoher Bedeutung. Folglich ist ein guter Ruf bei den Finanzierungspartnern unerlässlich. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die zeitnahe und offene Information von Ratingagenturen und Geschäftspartnern unter Beachtung der Gleichbehandlung hinsichtlich Finanzinformationen und wesentlicher Vertragsbestandteile. Nur wenn dies gewährleistet ist, kann sich ein Unternehmen als langjähriger und verlässlicher Geschäftspartner bei Banken und Investoren ein so hohes Maß an Vertrauen verdienen, wie es Haniel seit langem genießt.

BESSERER RATING-AUSBLICK

Ein dauerhaft gutes Rating dient als Nachweis der entsprechenden Kreditwürdigkeit und schafft Transparenz, die für ein vertrauensvolles Verhältnis zu Finanzierungspartnern notwendig ist. Darum unterzieht sich Haniel freiwillig externen Ratingurteilen. Die Einstufung der Haniel-Holding durch die Ratingagenturen erfolgt insbesondere aufgrund des Marktwert-Gearings – also des Verhältnisses zwischen Nettofinanzschulden auf Holding-Ebene und Wert des Beteiligungsportfolios – sowie des Cashflows auf Holding-Ebene. Zudem beeinflussen Anzahl und Gewicht der einzelnen Beteiligungen im Haniel-Beteiligungsportfolio das Rating. Vor allem durch die deutlich niedrigeren Nettofinanzschulden ist es Haniel gelungen, das Marktwert-Gearing zum 31. Dezember 2014 deutlich zu senken.

Das bessere Marktwert-Gearing wirkte sich positiv auf die Einstufung durch die Ratingagenturen aus. Die Langfristratings von Standard & Poor’s und Moody’s wurden zwar nach der letzten Anhebung im zweiten Halbjahr 2013 auf BB+ bzw. Ba1 belassen. Standard & Poor’s hat aber bereits den deutlich günstigeren finanziellen Rahmenbedingungen Rechnung getragen und den Ausblick auf „positiv“ angehoben. Moody’s schätzt das Rating der Franz Haniel & Cie. GmbH weiterhin mit „stabil“ ein. Mit dem verbesserten Ausblick macht Haniel einen weiteren wichtigen Schritt zum angestrebten stabilen Investment-Grade-Rating.

FINANZIERUNG BREIT AUFGESTELLT

Ein wesentliches Kernelement des Finanzmanagements ist die Diversifikation der Finanzierung. Dabei sichert die Nutzung unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente mit einer großen Bandbreite an Geschäftspartnern nicht nur den jederzeitigen Zugang zu Liquidität, sondern reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von einzelnen Finanzierungsinstrumenten und Geschäftspartnern. Zudem kann so flexibel auf Entwicklungen an den Kapitalmärkten und im Bankenbereich reagiert werden. Ausdruck des Strebens nach Sicherheit und Unabhängigkeit der Finanzierung sind verbindlich zugesagte, jedoch nur in begrenztem Umfang genutzte bilaterale Kreditlinien. Der Haniel-Konzern verfügt über gezogene und nicht gezogene Kreditlinien in der Größenordnung von 2,2 Milliarden Euro.

Zusätzliche Finanzierungssicherheit wird durch ein ausgewogenes Fälligkeitenprofil mit einer angemessenen langfristigen Finanzierung insbesondere in Form von Unternehmensanleihen gewährleistet. Die finanziellen Verbindlichkeiten, die in der Bilanz des Haniel-Konzerns zum 31. Dezember 2014 ausgewiesen werden, betragen 1.468 Millionen Euro. Davon haben 392 Millionen Euro eine Laufzeit von unter einem Jahr, 970 Millionen Euro eine Laufzeit zwischen einem und fünf Jahren und 106 Millionen Euro eine Laufzeit von über fünf Jahren. Der überwiegende Teil der Verbindlichkeiten notiert dabei in Euro. Verschuldung in Fremdwährung besteht vor allem in US-Dollar.

Neben Bankkrediten finanziert sich Haniel regelmäßig auch am Kapitalmarkt über Anleihen, Commercial Papers und Schuldscheindarlehen. Hierzu aktualisiert die Haniel-Holding in größeren Abständen ihr Commercial-Paper-Programm sowie jährlich ihr Debt Issuance Programme im Umfang von derzeit 2 Milliarden Euro. Auf Basis darin enthaltener Informationen können Anleihen sehr flexibel hinsichtlich des Zeitpunkts, der Höhe und angepasst an die jeweiligen Marktbedingungen platziert werden.

Im Jahr 2014 hat die Haniel-Holding mit Einnahmen aus dem Celesio-Verkauf Anleihen mit einem Nominalwert von 413 Millionen Euro zurückgekauft. Damit sowie mit der planmäßigen Tilgung einer Anleihe im Oktober ist der Buchwert der ausstehenden Anleihen im Haniel-Konzern von 1,3 Milliarden Euro zum 31. Dezember 2013 auf 0,5 Milliarden Euro zum Jahresende 2014 gesunken. Des Weiteren haben sich die Geschäftsbereiche CWS-boco, ELG und TAKKT in den vergangenen Jahren verstärkt am Markt für Schuldscheindarlehen finanziert und damit ihre Finanzierungsbasis verbreitert. Der Wert für Schuldscheindarlehen, Commercial Papers sowie sonstige verbriefte Verbindlichkeiten im Haniel-Konzern lag zum Jahresende bei 0,2 Milliarden Euro. Die Geschäftsbereiche CWS-boco und ELG unterhalten darüber hinaus Programme zum fortlaufenden Verkauf von Forderungen aus Lieferung und Leistung an Dritte.

NETTOFINANZSCHULDEN DEUTLICH GESENKT

Der Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio im Februar 2014 mit einem Erlös von 1.999 Millionen Euro hat zu einer erheblichen Reduktion der Schulden im Konzern geführt: Die Nettofinanzschulden, also die Finanzschulden nach Abzug der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, sind im Konzern von insgesamt 3.843 Millionen Euro zum Jahresende 2013 auf 1.358 Millionen Euro zum 31. Dezember 2014 zurückgegangen.

Auf Ebene der Haniel-Holding sind die Nettofinanzschulden von 1.586 Millionen Euro auf 647 Millionen Euro gesunken. Das Finanzvermögen betrug, unter Berücksichtigung der lang- und kurzfristigen Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen, 737 Millionen Euro. Hierin sind überwiegend Finanzanlagen mit kurz- und mittelfristiger Laufzeit enthalten, die die Haniel-Holding zukünftig für Unternehmenskäufe verwenden möchte. Da das Finanzvermögen höher ist als die Nettofinanzschulden, ist die Haniel-Holding de facto schuldenfrei.

FRANZ HANIEL & CIE. GMBH

HANIEL-CASHFLOW ZURÜCKGEGANGEN

Um die Liquiditätsstärke der laufenden Geschäftstätigkeit zu beurteilen, verwendet Haniel die Steuerungskennzahl Haniel-Cashflow. Dieser gibt Aufschluss darüber, inwieweit Haniel mit dem laufenden Geschäftsbetrieb ausreichend finanzielle Mittel erwirtschaftet, um damit die Finanzierung sowohl des kurzfristigen Nettovermögens* als auch der Investitionstätigkeit sicherstellen zu können. 2014 ist der Haniel-Cashflow von 562 Millionen Euro auf 175 Millionen Euro – wie im Vorjahr erwartet – gesunken. Die Ursachen für den Rückgang sind geringere Ergebnisbeiträge aus der laufenden Geschäftstätigkeit von Celesio, da der Geschäftsbereich im Jahr 2014 nur bis zum Abschluss des Verkaufs berücksichtigt wurde. Darüber hinaus fällt der Haniel-Cashflow niedriger aus, weil die METRO GROUP im Jahr 2014 wegen ihres nur neun Monate umfassenden Rumpfgeschäftsjahres im Gegensatz zum Vorjahr keine Dividende ausgeschüttet hat.

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit, der zusätzlich zum Haniel-Cashflow die Veränderung des kurzfristigen Nettovermögens umfasst, betrug -135 Millionen Euro im Jahr 2014 und war damit niedriger als der Haniel-Cashflow. Dies ist darauf zurückzuführen, dass finanzielle Mittel für den Aufbau des kurzfristigen Nettovermögens gebunden wurden. Insbesondere bei ELG kam es vor allem wegen des höheren Nickelpreises und der höheren Ausgangstonnage erwartungsgemäß zu einem Aufbau von Vorräten und Forderungen aus Lieferung und Leistung. Im Vorjahr lag der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit in Höhe von 660 Millionen Euro wesentlich höher als der Haniel-Cashflow. Die Ursache war, dass es 2013 vor allem bei ELG zu einem wert- und mengenmäßigen Abbau von Vorräten gekommen war.

Mio. Euro 2013 2014
Haniel-Cashflow 562 175
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 660 -135
Cashflow aus Investitionstätigkeit 309 779
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit -964 -1.093

HOHER CASHFLOW AUS DESINVESTITIONEN

Der Cashflow aus Investitionstätigkeit, also der Saldo aus Auszahlungen für die Investitionstätigkeit und Einzahlungen aus der Desinvestitionstätigkeit, lag im Jahr 2014 bei 779 Millionen Euro. Die Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen, immaterielle und andere Vermögenswerte sowie für Unternehmenserwerbe betrugen 770 Millionen Euro. Hierin sind überwiegend die Auszahlungen für Finanzanlagen durch die Haniel-Holding enthalten, die nach dem Verkauf von Celesio getätigt wurden, sowie die Investitionen der Geschäftsbereiche in Sachanlagen und andere Vermögenswerte. 2014 betrugen die Einzahlungen aus der Desinvestitionstätigkeit 1.549 Millionen Euro. Diese beinhalteten überwiegend den Erlös aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio nach Abzug der damit aus dem Haniel-Konzern abgehenden liquiden Mittel.

Im Vorjahr hatte der Cashflow aus Investitionstätigkeit 309 Millionen Euro betragen. Darin waren 298 Millionen Euro Auszahlungen vor allem für Investitionen der Geschäftsbereiche in Sachanlagen enthalten. Die Einzahlungen aus der Desinvestitionstätigkeit lagen im Vorjahr mit 607 Millionen Euro bereits auf hohem Niveau und umfassten insbesondere Zahlungsmittelzuflüsse auf Ebene der Haniel-Holding aus den Verkäufen von Anteilen an der METRO AG und zwei Beteiligungsfonds.

Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit betrug -1.093 Millionen Euro, nach -964 Millionen Euro im Jahr 2013. Darin enthalten sind die planmäßige Tilgung und der Rückkauf von Anleihen mit einem Nominalwert von zusammen 849 Millionen Euro sowie die Auszahlung für Dividenden an die Gesellschafter der Franz Haniel & Cie. GmbH in Höhe von 30 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Haniel ebenfalls seine Schulden erheblich gesenkt, jedoch keine Dividende an die Gesellschafter der Holding ausgeschüttet.

* Das kurzfristige Nettovermögen umfasst im Wesentlichen die Forderungen aus Lieferung und Leistung sowie die Vorräte abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung.