Geschäftsbericht 2014

Haniel-Konzern: Umsatz- und Ertragslage

Dem Haniel-Konzern ist es gelungen, sein Operatives Ergebnis im Jahr 2014 um über 31 Prozent zu steigern1. Ausschlaggebend für diese positive Entwicklung war vor allem die erfreuliche Dynamik in den Absatzmärkten von ELG und TAKKT – aber auch CWS-boco und die Haniel-Holding trugen zum Erfolg bei. Der Verkauf von Celesio führte zudem zu einem Veräußerungserfolg von 696 Millionen Euro – und damit zu einem erheblichen Plus beim Nachsteuerergebnis.

STABILES GESAMTWIRTSCHAFTLICHES UMFELD

Die Weltwirtschaft ist im Jahr 2014 mit einem Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts um 3,3 Prozent vergleichbar stark gewachsen wie im vorangegangenen Jahr. Zu Beginn des letzten Jahres war zunächst noch von einer insgesamt besseren Wirtschaftsdynamik für 2014 ausgegangen worden. Diese Einschätzung bestätigte sich jedoch nicht. Die volkswirtschaftlichen Wachstumserwartungen mussten im Laufe des Jahres infolge allgemeiner wirtschaftlicher Eintrübung wieder nach unten korrigiert werden.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Regionen der Welt fiel 2014 sehr unterschiedlich aus: Während sich die konjunkturelle Dynamik in den Schwellenländern gegenüber dem Vorjahr von einem hohen Niveau abschwächte, verzeichneten die entwickelten Volkswirtschaften, in denen der Haniel-Konzern überwiegend tätig ist, ein leichtes bis solides Wachstum. So konnte der Euroraum den wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess der Vorjahre beenden und wieder leicht um 0,8 Prozent wachsen. Die regionalen Unterschiede innerhalb des Euroraums blieben jedoch bestehen: Deutschland legte mit 1,5 Prozent überdurchschnittlich zu, während das Wirtschaftswachstum in Frankreich 0,4 Prozent betrug und die Wirtschaftsleistung in Italien um 0,4 Prozent zurückging. In den USA verlief die Konjunkturentwicklung im Vergleich zum Euroraum deutlich positiver. Nach einer kurzzeitigen Wachstumsschwäche im Frühjahr verbesserten sich die Indikatoren zum Jahresende merklich, sodass ein Wachstum von 2,4 Prozent verbucht werden konnte.

Neben der Konjunktur ist für den Geschäftsbereich ELG vor allem die Entwicklung des Marktsegments Edelstahl von besonderer Bedeutung: Hier folgte aus der 2014 insgesamt höheren globalen Nachfrage seitens der Edelstahl konsumierenden Branchen ein Anstieg der weltweiten Edelstahlproduktion. Auch der für das Geschäft von ELG bedeutsame Rohstoff Nickel bewegte sich auf einem höheren Preisniveau als im Vorjahr.

Die eher gute konjunkturelle Entwicklung in den USA und in Deutschland sowie die erfreuliche Entwicklung auf dem Edelstahlmarkt wirkten sich in Summe positiv auf die Umsatz- und Ertragslage des Haniel-Konzerns aus.

ELG SORGT FÜR DEUTLICHEN ANSTIEG DES KONZERNUMSATZES

Der Haniel-Konzern verzeichnete im Jahr 2014 einen deutlichen Umsatzanstieg von 10 Prozent auf 3.944 Millionen Euro. Neben der guten Geschäftsentwicklung haben hierzu auch die erstmals ganzjährig einbezogenen Unternehmen positiv beigetragen, die CWS-boco und ELG im Vorjahr gekauft hatten. Währungseffekte hatten hingegen keinen wesentlichen Einfluss auf die Umsatzentwicklung.

FRANZ HANIEL & CIE. GMBH

Bereinigt um Unternehmenskäufe und -verkäufe sowie Währungseffekte hat der Haniel-Konzern den Umsatz um 8 Prozent gesteigert. Dies ist überwiegend auf die erfreuliche Umsatzentwicklung bei ELG zurückzuführen. Hier führte die gestiegene Nachfrage nach Edelstahlprodukten und Superlegierungen zu einer wesentlich höheren Ausgangstonnage. Auch die höheren Preise der für das Geschäft von ELG bedeutsamen Rohstoffe Nickel und Titan trugen positiv zum Umsatzwachstum bei. Der Geschäftsbereich TAKKT profitierte von den besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und erzielte ebenfalls ein Umsatzplus. Insbesondere in den USA konnte TAKKT dank der wachstumsstarken Gesellschaften und des wieder anziehenden Geschäfts mit dem öffentlichen Sektor seinen Umsatz steigern. Gleichzeitig hat eine leicht bessere Geschäftsentwicklung in Europa zum Umsatzwachstum beigetragen. Der Geschäftsbereich CWS-boco erreichte trotz eines intensiven Wettbewerbs im Markt einen Umsatz auf Vorjahresniveau.

OPERATIVES ERGEBNIS UM 31 PROZENT GESTIEGEN

Sein Operatives Ergebnis hat der Haniel-Konzern von 166 Millionen Euro auf 217 Millionen Euro verbessert – ein Zuwachs von 31 Prozent. Dies ist insbesondere auf die erheblichen Zugewinne von ELG zurückzuführen, aber auch auf die positive Geschäftsentwicklung bei TAKKT. Zudem hat CWS-boco durch operative Kosteneinsparungen aus der Modernisierung des Wäschereinetzwerks und der Lieferkette einen guten Ergebnisanstieg erreicht. Auch die Haniel-Holding trug positiv zur Ergebnissteigerung bei. Ursache hierfür waren unter anderem einmalige Erträge aus der Auflösung nicht mehr notwendiger Rückstellungen.

ERGEBNIS VOR STEUERN GESUNKEN

Trotz des deutlich höheren Operativen Ergebnisses ist das Ergebnis vor Steuern von 117 Millionen Euro im Vorjahr auf 31 Millionen Euro im Jahr 2014 gesunken. Dies ist darauf zurückzuführen, dass dem Anstieg beim Operativen Ergebnis eine Abnahme sowohl des Ergebnisses aus Finanzierungstätigkeit als auch des Beteiligungsergebnisses gegenüberstand.

Das Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit, das sich aus dem Finanzierungsaufwand und dem Übrigen Finanzergebnis zusammensetzt, hat sich von -169 Millionen Euro im Vorjahr auf -200 Millionen Euro im Jahr 2014 verschlechtert. Wesentlicher Grund hierfür: Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Celesio wurden unter anderem Anleihen mit einem Nominalwert von 413 Millionen Euro zurückgekauft. Die beim Rückkauf gezahlten Aufgelder beeinflussten im laufenden Geschäftsjahr das Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit negativ. In den kommenden Jahren werden diese Rückkäufe das Zinsergebnis der Haniel-Holding jedoch deutlich entlasten.

Auch das Beteiligungsergebnis war im Jahr 2014 rückläufig und belief sich auf 14 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr noch 120 Millionen Euro betragen hatte. Maßgeblich hierfür war der Rückgang des Metro-Beteiligungsergebnisses von 96 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro. Ursache hierfür waren Portfolio-, Währungs- und Sondereffekte sowie geringere Erträge aus Immobilienverkäufen bei der METRO GROUP: Insbesondere der Wegfall des Ergebnisbeitrags infolge des Verkaufs des Osteuropageschäfts von Real, Wertminderungen auf Goodwills bei METRO Cash & Carry, negative Ergebnisauswirkungen aus Standortschließungen bei Real sowie Restrukturierungsmaßnahmen bei Media-Saturn belasteten das Ergebnis. Bereinigt um die genannten Effekte lag das Operative Ergebnis der METRO GROUP hingegen über dem Niveau des Vorjahres. Zudem fiel das Beteiligungsergebnis des Haniel-Konzerns geringer aus, weil im Vorjahr Erträge aus dem Verkauf von zwei Beteiligungsfonds enthalten waren.

HOHES NACHSTEUERERGEBNIS DURCH CELESIO-VERKAUF

Seit 2013 wird Celesio als nicht fortgeführter Bereich ausgewiesen und ist daher nicht mehr im Umsatz, Operativen Ergebnis und Ergebnis vor Steuern des Haniel-Konzerns enthalten. Das Ergebnis nach Steuern der nicht fortgeführten Bereiche enthielt im Jahr 2014 ausschließlich das Ergebnis von Celesio und betrug 714 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern aus laufender Geschäftstätigkeit von Celesio wurde bis zum Zeitpunkt der Entkonsolidierung berücksichtigt und lag bei 18 Millionen Euro; das Veräußerungsergebnis nach Steuern betrug 696 Millionen Euro. Im Vorjahr belief sich das Ergebnis nach Steuern der nicht fortgeführten Bereiche auf 185 Millionen Euro und beinhaltete ausschließlich die laufende Geschäftstätigkeit von Celesio.

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Das Ergebnis nach Steuern der fortgeführten Bereiche lag mit -28 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahres von 82 Millionen Euro. Obwohl das Ergebnis vor Steuern geringer war, lag der Steueraufwand mit 59 Millionen Euro über dem des Vorjahres in Höhe von 35 Millionen Euro. Ursachen für diesen Anstieg sind ein einmaliger Steuerertrag im Vorjahr und die Tatsache, dass die beim Rückkauf der Anleihen zu zahlenden Aufgelder sowie das niedrigere Metro-Beteiligungsergebnis zwar das Vorsteuerergebnis belasteten, sich aber nicht steuermindernd auswirkten.

Insgesamt summierte sich das Ergebnis nach Steuern des Haniel-Konzerns 2014 auf 686 Millionen Euro und übertraf damit das Vorjahresergebnis von 267 Millionen Euro deutlich.

HANIEL VALUE ADDED UND ROCE VERBESSERT

Neben den Umsatz- und Ergebnisgrößen werden im Haniel-Konzern als wertorientierte Steuerungskennzahlen auch der (Haniel Value Added HVA) und der Return on Capital Employed (ROCE) verwendet2. Im HVA kommt der innerhalb eines Jahres erzielte Wertbeitrag zum Ausdruck. Ein positiver Wertbeitrag ist erreicht, wenn das Ergebnis nach Steuern vor Finanzierungsaufwand (der Return) über den Kapitalkosten liegt. Die Kapitalkosten berechnen sich durch Multiplikation des gewichteten Gesamtkapitalkostensatzes mit dem im Jahresdurchschnitt gebundenen Kapital. Im gewichteten Gesamtkapitalkostensatz spiegeln sich die Renditeerwartungen der Eigen- und Fremdkapitalgeber unter Berücksichtigung der jeweils mit der Bereitstellung des Kapitals verbundenen Risiken wider. Die Eigen- und Fremdkapitalkostensätze sowie ihr Gewichtungsverhältnis werden jährlich festgelegt. Für die Jahre 2013 und 2014 belief sich der gewichtete Gesamtkapitalkostensatz für die Ermittlung des HVA auf 8,1 Prozent.

Mio. Euro 2013 2014
Return 607 907
– Kapitalkosten 824 634
Haniel Value Added (HVA) -217 273
 
Return 607 907
/ Durchschnittliches gebundenes Kapital 10.173 7.832
Return on Capital Employed (ROCE) 6,0% 11,6%

Im Jahr 2014 betrug der HVA 273 Millionen Euro bei einem Vorjahreswert von -217 Millionen Euro. Der Anstieg hat zwei Ursachen: Erstens ist der Return mit 907 Millionen Euro im Jahr 2014 aufgrund des Veräußerungserfolgs aus der Celesio-Transaktion erheblich höher ausgefallen als 2013. Zweitens sind die Kapitalkosten gesunken, da sich das durchschnittliche gebundene Kapital infolge des Verkaufs von Celesio deutlich verringert hat.

Die Steuerungskennzahl ROCE gibt die Rendite auf das durchschnittliche gebundene Kapital an. Der ROCE des Haniel-Konzerns stieg von 6,0 Prozent im Vorjahr auf 11,6 Prozent im Jahr 2014. Damit lag die Rendite auf das gebundene Kapital im Geschäftsjahr 2014 deutlich über dem gewichteten Gesamtkapitalkostensatz von 8,1 Prozent, während sie im Vorjahr noch darunter gelegen hatte.

ERWARTETE STEIGERUNG BEI UMSATZ UND NACHSTEUERERGEBNIS ERREICHT

Im letztjährigen Abschluss ging die Haniel-Holding für das Geschäftsjahr 2014 davon aus, dass sich vor allem das bessere konjunkturelle Umfeld positiv auf die Geschäftsentwicklung des Haniel-Konzerns auswirken wird. Insbesondere ELG und TAKKT profitierten im Jahr 2014 von einem besseren wirtschaftlichen Umfeld in ihren Märkten und steigerten ihr Operatives Ergebnis sogar mehr als erwartet. Der Geschäftsbereich CWS-boco hingegen konnte seinen Umsatz infolge eines intensiven Wettbewerbs nicht wie prognostiziert erhöhen – allerdings gelang im Vergleich zu den Vorjahren wieder eine deutliche Steigerung des Operativen Ergebnisses.

Die METRO GROUP verzeichnete wie erwartet einen um Unternehmenskäufe und -verkäufe sowie Währungseffekte bereinigten leichten Umsatzanstieg. Das Operative Ergebnis vor Sonderaufwendungen lag wie angenommen unter dem Wert des Vorjahres. Ursachen hierfür waren geringere Erträge aus Immobilienverkäufen sowie der fehlende Ergebnisbeitrag aus dem veräußerten Osteuropageschäft von Real. Zudem wirkten sich negative Währungseffekte aus. Auch das Metro-Beteiligungsergebnis bei Haniel lag – entgegen der Prognose – unter dem Vorjahreswert: Zwar konnten beim Finanz- und Steuerergebnis der METRO GROUP erwartungsgemäß Verbesserungen erzielt werden, jedoch kam es zu unerwartet hohen Sonderaufwendungen.

Das Ergebnis vor Steuern des Haniel-Konzerns lag nicht – wie angenommen – über dem Vorjahresniveau, sondern wesentlich darunter. Dies liegt zum einen an dem hinter den Erwartungen gebliebenen Metro-Beteiligungsergebnis, zum anderen jedoch auch an höheren Anleiherückkäufen als ursprünglich geplant. Hierdurch wurde das Ergebnis aus Finanzierungstätigkeit infolge der zu zahlenden Aufgelder im Jahr 2014 belastet mit dem Ziel, in den folgenden Jahren deutliche Einsparungen bei der Zinsbelastung zu erzielen.

Durch den Verkauf von Celesio konnte Haniel insgesamt wie angenommen einen hohen Abgangserfolg von 696 Millionen Euro erzielen. Daher verzeichnete der Haniel-Konzern im Geschäftsjahr 2014 – trotz eines niedrigeren Metro-Beteiligungsergebnisses sowie eines schlechteren Ergebnisses aus Finanzierungstätigkeit – erwartungsgemäß ein hohes positives Nachsteuerergebnis.

Die wertorientierten Steuerungskennzahlen Haniel Value Added und ROCE konnten wie erwartet deutlich verbessert werden, da der Verkauf von Celesio zum einen durch den Abgangserfolg den Return erheblich erhöhte und zum anderen durch die abgehenden Vermögenswerte das im Jahresdurchschnitt gebundene Kapital deutlich reduzierte.

1 Die Vorjahreswerte wurden gemäß IFRS im Lagebericht angepasst; vgl. dazu die Erläuterungen im Konzernanhang.
2 Für die detaillierte Berechnung der Kennzahlen HVA und ROCE vergleiche die Erläuterungen im Konzernanhang.